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Güterzug-Elektrolokomotive EG 551-570/E 905


E 90 52 in Hirschberg

Baureihe/Betriebsnummer:EG 551-570 (bis 1926)
E 905 (ab 1926)
Bauart:C+C w4u
Höchstgeschwindigkeit:50 km/h
Stundenleistung (bei v in km/h):1.520 kW (35 km/h)
Dauerleistung (bei v in km/h):910 kW (30 km/h)
Länge über Puffer:15,95 m
Eigenmasse:98,2 t
Indienststellung:1919
Einsatz in Schlesien:1919-1945

1912 erfolgte die Bestellung von 10 schweren C+C gekuppelten Doppellokomotiven für den Güterzugdienst auf den schlesischen Strecken. Mit der Lieferung beauftragt wurden die Firmen Maschinenbau-Anstalt Humboldt MHK in Köln (Mechan-Teil für 8 Loks), Linke-Hofmann Breslau LHW (Mechan-Teil für 2 Loks) sowie BBC Mannheim für den E-Teil aller Lokomotiven. MHK gab den Bau des Mechan-Teils einer Lokomotive an die Firma Beuchelt in Grünberg/Schlesien weiter.

Das Betriebsprogramm sah u.a. die Beförderung von 1.200-t-Zügen auf 6‰ Steigung mit 40 km/h vor. Infolge des 1. Weltkrieges verzögerte sich die Lieferung des ersten Fahrzeuges bis 1919. Die übrigen Maschinen folgten 1921 (4), 1922 (4) und 1923 (1). Ein geplanter Auftrag für weitere drei Maschinen kam auf Grund der zeitweiligen Zurückstellung der Streckenelektrifizierung nicht mehr zustande.

Der zweiteilige kurzgekuppelte Lokomotivkasten war nach Art der D-Zug-Wagen als Holzkonstruktion mit Blechverschalung ausgeführt. Die Vorbauten für die Aufnahme der elektrischen Ausrüstung bestanden aus Eisenblech ohne Holzauskleidung. An den beiden Kurzkupplungsenden befand sich je ein Gepäckabteil, die mittels Faltenbalg miteinander verbunden waren. Den Gepäckabteilen schlossen sich die Führerstände an, wo sich auf der in Fahrtrichtung rechten Seite der Führertisch für den Lokomotivführer und auf der linken Seite der Zugführersitz für den Zugbegleiter befanden.

Die elektrische Ausrüstung ist, abgesehen vom Motorkompressor und den Schaltern für die Zugheizeinrichtung, für beide Lokhälften identisch. Hierzu gehören u.a. fremdbelüftete Trockentransformatoren, Ölhauptschalter und ein handbetätigtes Stufenschaltwerk mit 14 Dauerfahrstufen.

Die drei gekuppelten Radsätze jeder Hälfte trieb ein aus zwei Reihenschlussmotoren bestehenden Doppelmotor an, der sein Drehmoment über ein Vorgelege mit Blindwelle und Kuppelstangen mit Hallschen Kurbeln (wegen des Außenrahmens) auf die Treibradsätze übertrug. Der für die Lokomotiven charakteristische Anblick der Fahrgestelle war in ähnlicher Form nur noch bei den EG 538 ff. ausgeführt.

Ihr erstes Haupteinsatzgebiet waren die schlesische Gebirgsbahn Görlitz-Lauban-Königszelt. Dank ihrer geringen Achslast von 16,4 t konnte sie aber auch auf Nebenstrecken eingesetzt werden, so u.a. für Personen- und Güterzüge von Hirschberg nach Polaun, ihre neue Stammstrecke ab 1923. Hierzu wurden ab 1929 an sechs Loks (E 90 51, 52, 54, 58-60) die Rahmen an beiden Enden vorgeschuht, damit extra Schneepflüge angebaut werden konnten. Dadurch verlängerte sich der Rahmen um 700 mm je Lokhälfte.

Ab 1926 als Baureihe E 905 umgezeichnet (E 90 51-60), wurden sie immer mehr aus dem schweren Güter- und Personenzugdienst verdrängt. Das Bw Waldenburg-Dittersbach gab 1929 alle Maschinen an das Bw Hirschberg ab, wo sie von nun an im Nahgüterzug- und manchmal auch noch im Personenzugdienst verwendet wurden. Mit Beginn der 1930er Jahre standen viele Maschinen nur noch als Reserveloks herum. Die erste Ausmusterung erfolgte 1936; am Ende der elektrischen Zugförderung 1945 in Schlesien waren nur noch drei Maschinen im Einsatz.




EG 551/552 im Lieferzustand auf dem Werksgelände von BBC in Mannheim (Werkfoto BBC)


E 90 52 im Heimat-Bw Hirschberg um 1933 - sehr gut zu erkennen der verlängerte Rahmen (Kallmünzer)


E 90 54 im Bw Hirschberg (DB Museum Nürnberg)


E 90.5 beim Verlassen des Schönhuter Tunnels (Werkfoto LHW)


EG 551/552 mit Güterzug in Jannowitz (Werkfoto BBC)



Literaturverweis:
Brown, Boveri & Cie. (BBC): BBC-Güterzuglokomotiven - C+C Güterzuglokomotiven EG 551-570, BBC-Mitteilungen Januar 1920


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