ChronikBetriebElektrische TriebfahrzeugeElektrifizierungLiteratur/Links

Versuchs-Mehrzweck-Elektrolokomotive E 44 201


E 44 201 in Schlesien (Sammlung Stange)

Baureihe/Betriebsnummer:E 442
Bauart:1'Do1' w4t
Höchstgeschwindigkeit:80 km/h
Stundenleistung (bei v in km/h):2.200 kW (50 km/h)
Dauerleistung (bei v in km/h):1.760 kW (56 km/h)
Länge über Puffer:13,50 m
Eigenmasse:82,5 t
Indienststellung:1930
Einsatz in Schlesien:1931-1934

Die dritte der Bo'Bo'-Probelokomotiven, die Ende der 1920er Jahre entwickelt wurden, wurde von der Berliner Maschinenbau AG (BMAG) und den Bergmann Electricitäts Werke (BEW) gebaut. Es handelt sich wie bei der E 44 101 ebenfalls um eine Weiterentwicklung der E 75, die als Eilgüterzug- und Personenzuglokomotive mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h konzipiert wurde.

Der Lokomotivkasten mit den charakteristischen Vorbauten und der Hauptrahmen entstanden in geschweißter Ausführung. Die Laufwerke waren 2-achsige Außenrahmen-Drehgestelle, der Antrieb erfolgte über Tatzlagermotoren und 2-seitigem, geradverzahnten Getriebe mit gefedertem Großrad. 

Der Haupttransformator war ein fremdbelüfteter Trockentransformator, die Steuerung erfolgte über ein von einem elektromagnetisch gesteuerten Druckluft-Servomotor angetriebenen Nockenschaltwerk mit Kommutator-Feinsteller und Zusatztransformator für 12 Dauerfahrstufen. Die Fahrmotoren waren fremdbelüftete, kompensierte Wechselstrom-Reihenschlussmotoren mit Wendepolen.

Die DRG stellte diese Lokomotive als erste der Versuchslokomotiven mit der Betriebsnummer E 44 80 ohne vorherige Erprobung am 22.12.1930 beim Bw Magdeburg-Rothensee in Dienst, wo sie bis März 1931 im regelmäßigen Zugdienst eingesetzt wurde. Nach einer Reparatur im RAW Lauban verblieb die Lokomotive - nun umgezeichnet in E 44 201 - bei der RBD Breslau und wurde auf den Strecken der schlesischen Gebirgsbahnen getestet. So beförderte sie u.a. im Mai 1931 zwischen Breslau und Königszelt (8,9 ‰ Steigung) ohne Beanstandung einen 1.850-t-Zug.

Mängel bei einer Reihe von Bauteilen und konstruktive Unzulänglichkeiten, u.a. die schlechte Achsfahrmassenverteilung, die auf die extrem kurze Entwicklungszeit der Lokomotive zurückzuführen sind, führten zu einer negativen Beurteilung. Obwohl mit 275.000 Reichsmark die billigste Probelokomotive, gab es keinen Nachbau. Ab Januar 1934 befand sich diese Maschine im Bestand des Bw München. 1938 erhielt sie die Betriebsnummer E 44 2001.




E 44 201 im Lieferzustand (Werkfoto BMAG)



Literaturverweis:
Genschow: Elektrische Eilgüterzug-Lokomotive Bo-Bo, Elektrotechnische Zeitschrift, Heft 12, 1932


ChronikBetriebElektrische TriebfahrzeugeElektrifizierungLiteratur/Links